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Als Zeichenlehrerin und Modedesignerin genoss
Helen Ernst (1904-1948) das aufregende Kulturleben der „goldenen" Zwanziger
Jahre in Berlin. Bald hatte sie es jedoch satt. „ausschließlich
zur Belustigung der besseren Gesellschaft" tätig zu sein. Unter dem
Eindruck der Folgen der Weltwirtschaftskrise zog es sie zur Arbeiterbewegung.
Sie wirkte aktiv in der Roten Hilfe, machte Basisarbeit für die KPD
und zeichnete für linke Zeitungen. Käthe Kollwitz wurde ihr
Vorbild. Als politische Gegnerin der Nazis wurde sie
1933 im Berliner Frauengefängnis inhaftiert, bevor sie im Sommer 1934
in die Niederlande emigrierte. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich als
Modepädagogin an der avantgardistischen Nieuwen Kunstschool in Amsterdam
und als Illustratorin von Weltliteratur. Daneben lieferte sie
regelmäßig Zeichnungen für die progressive Presse und 1934
unter dem Pseudonym „Skorpio" für eine Sonderausgabe bestürzende
Zeichnungen über deutsche Konzentrationslager.
1940 wegen „antideutscher Hetzpropaganda"
verhaftet, kam sie im April 1941 in das Frauen-KZ Ravensbrück. Um unter
den erniedrigenden Lagerbedingungen überleben zu können, zog sich
die sensible Künstlerin in ihre verletzte Individualität zurück.
Auf Mitgefangene wirkte sie deshalb verschlossen und hochmütig. Nach
der Befreiung ging Helen Ernst nach Schwerin. Mit Zeichnungen über
Ravensbrück versuchte sie, ihre traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten
und künstlerisch neu zu beginnen. Doch Vorwürfe von Kameradinnen,
die ihr Verrat im Lager unterstellten, untergruben ihre
Lebenskraft.
Zwar wurde sie noch zu Lebzeiten voll
rehabilitiert, doch wenig später - am 26. März 1948 - starb Helen
Ernst an der Lagerkrankheit TBC. Helen Ernst fand ihre letzte Ruhe auf dem
Friedhof in Groß Zicker auf der Insel Rügen.
Brief von Helen Ernst an Hans Grundig vom
5.10.1947
".....was ich jetzt arbeite, werden immer
wieder Dokumentarzeichnungen aus dem KZ. Ich muß es heraustun,........dies
Erlebnis, das Sehen dieser Menschen und dieser Umgebung ist so einschneidend,
hat mich so dicht an den seelischen Abgrund gebracht, daß ich es erst
einmal bildlich loswerden muß." |